Lost, Lonely and Found by Jade Niklai for TheFindsPaper#1

The raison d’être of the artist-led collective, lonelyfingers and its first exhibition Konversationsstücke at the Museum Abteiberg, are timely redefinitions of the use of objet trouvé[1] and the role of the artist-as- curator.

Founded by the Düsseldorf-based artists, Anne Pöhlmann and Diango Hernández, lonelyfingers examines the process, rather than the outcome of contemporary art production. More specifically, it is concerned with Its first creative stage: seeking inspiration from existing objects.

The collective’s name suggests that the making of art is an isolating and individualistic experience (‘lonely-’), requiring diligence and fastidiousness (‘–fingers’). It therefore seems suitable that an artist-led exhibition does not take a conventional curatorial approach (e.g. a theme, medium or epoch), but focuses on a state of being, which is usually not open to public viewership and discussion. The accompanying artists’ talks offer further access to this secret and sacred place, along with this publication and the ever-expanding project website (www.lonelyfingers.com). This openness and open-endedness is a welcome development in contemporary curation and creative production, suggesting that there is plenty more room to explore the practice of the artist(s)-as-curator(s).

The evolution of the objet trouvé from material to subject matter during the 20th century is a suitable analogy for humankind’s evolution from industrialisation (production, material) to virtual reality (immaterial, fantasy) and by extension, represents art’s own path from the physical to the conceptual; from the pedagogical to the personal.

From the development of collage in Cubism and the re-appropriation of quotidian objects by Dada and Surrealism, to the materiality of Art Brut, Arte Povera and post World War Two western art; the objet trouvé advanced from its purpose as raw material to one of prominence as subject matter. It is only fitting that in the formative years of the 21st century, lonelyfingers proposes a multi-faceted re-interpretation: at once honouring the physicality of the ‘finds’ while keeping in step with contemporary discourses, namely semiosis[2] and digital culture. In this sense, the exhibited objects are at best viewed not as works of art, but as signifiers of an invisible, albeit essential process. Coupled with a leading museum’s willingness to act as a space for experimentation, the exhibition offers a new methodology for the creation, discussion and presentation of critical contemporary art.

lonelyfingers began in 2012 as a virtual platform with a collection of ‘finds’ by a diverse group of international artists. As suggested by the first collection, “Milk Can Escape” – a title borrowed from the magician Houdini’s signature trick (1911), a live performance in which he unchained himself in a pool of liquid – producing art is an act of performance and relies greatly on magic and/or trickery, depending on the position of the beholder. As a close observer of lonelyfingers’ evolution, I invite the readers of this publication to join me in holding one’s breath and to watch the magic unfold.

[1] Objet trouvé is a term applied since the 20th century to existing objects (both in a natural state and manufactured) used in, or as, works of art. With the exception of the ready-made, in which a manufactured object is presented on its own as a completed work, an objet trouvé is most often used as raw material, requiring further mediation. While found objects were collected and exhibited in previous times in so-called ‘curiosity cabinets’, which resembled findings of natural science (e.g. butterflies), it was only in the early 1900s that the objet trouve found its way in to the language of visual culture. Source: Grove Art Online © 2009 Oxford University Press, as found at http://www.moma.org/collection/theme.php?theme_id=10135 (26.02.2013)

[2] Semiotics (or Semiology) is the study of signs, symbols and signification. It is the study of how meaning is created, not what it is. Its key terminologies include ‘signifier’: any material thing that signifies ‘words on a page, a facial expression, an image’; and ‘signified’: the concept that a signifier refers to ‘modernism, postmodernism’. Source: http://www.uvm.edu/~tstreete/semiotics_and_ads/terminology.html (26.02.2013)

 

German version

Verloren, verlassen und gefunden

Die raison d’être des von Künstlern initiierten Kollektivs lonelyfingers und seiner ersten Ausstellung Konversationsstücke im Museum Abteiberg sind ein paar zeitgemäße Neudefinitionen der Nutzung des objet trouvé[1] und der Rolle vom Künstler als Kurator.

Gegründet von den in Düsseldorf lebenden Künstlern Anne Pöhlmann und Diango Hernández untersucht lonelyfingers eher die Prozesse als die Ergebnisse in der gegenwärtigen Kunstproduktion. Um genauer zu sein, beschäftigt es sich mit der ersten Stufe im kreativen Prozess: der Suche nach der Inspiration aus existierenden Objekten.

Der Name des Kollektiv suggeriert, dass das Herstellen von Kunst eine augenscheinlich isolierende und individualisierende Erfahrung ist (‚lonely-‘), die Fleiß und Pingeligkeit verlangt (‚fingers‘). Deshalb ist es nur schlüssig, dass eine von Künstlern geleitete Ausstellung keinen gewöhnlichen kuratorischen Ansatz annimmt (z.B. ein Thema, ein Medium oder ein Epoche), sondern stattdessen einen bestimmten Seinszustand fokussiert, der dem Publikum normalerweise weder sichtbar noch mit ihm diskutiert wird. Begleitende Künstlergespräche zu dieser  Ausstellung eröffnen einen weiteren Zugang zu diesem geheimen und heiligen Ort, gemeinsam mit dieser Publikation und einer sich ständig weiterentwickelnden Projektwebsite (www.lonelyfingers.com). Diese Offenheit und das damit einhergehende offene Ende könnte eine willkommene Entwicklung von zeitgenössichem Kuratieren und kreativer Produktion sein, denn sie vermittelt einige ungeahnte Möglichkeiten dieser Arbeit von Künstler(n) als Kurator(en).

Die Entwicklung des objet trouvé vom Material zum geistigen Gegenstand, die im  Laufe des 20. Jahrhunderts geschah, ist eine passende Analogie zur Entwicklung der menschlichen Evolution von der Industrialisierung (Produktion, Material) zu einer virtuellen Realität (immateriell, Fantasie) und, um noch weiter zu gehen, repräsentiert sie den eigenen Weg der Kunst vom Physischen zum Konzeptuellen; vom Pädagogischen zum Persönlichen.

Von der Entwicklung der Collage im Kubismus und der Neu-Aneignung von alltäglichen Gegenständen in Dada und Surrealismus bis zur Materialität von Art Brut, Arte Povera und der gesamten westlichen Kunst nach 1945 hat sich das objet trouvé von seinem ursprünglichen Sinn eines rohen Materials zu einem der prominentesten Themen entwickelt. Da passt es, dass lonelyfingers im sich gerade ausrichtenden und formatierenden 21. Jahrhundert eine facettenreiche Neuinterpretation vorschlägt: es thematisiert die physische Materialität der ‚Funde’ und hält gleichzeitig Schritt mit dem zeitgenössichen Diskurs, d.h. dessen Semiotik[2]  und digitaler Kultur. In diesem Sinne sollten die ausgestellten Objekte nicht als Kunstwerke, sondern als Repräsentanten eines unsichtbaren, doch absolut essenziellen Prozesses betrachtet werden. Gefördert durch den Willen eines führenden Museums, auch Experimentierraum zu sein, bietet die Ausstellung eine neue Methodologie für die Produktion, Diskussion und Präsentation von kritischer zeitgenössischer Kunst.

Lonelyfingers begann im Jahr 2012 als virtuelle Plattform mit einer Kollektion von Funden’ einer Gruppe internationaler Künstler. Wie bereits von der ersten Kollektion „Milk Can Escape“ vorgeschlagen (der Titel inspiriert von Houdinis bekanntestem Trick (1911), in dem dieser Magier sich in einer gigantischen Milchkanne von seinen Fesseln befreite), ist das Produzieren von Kunst als ein performativer Akt zu betrachten, der zu großen Teilen auf Zauberei und/oder Trickserei beruht – abhängig vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters. Als ein genauer Beobachter der Entwicklung der lonelyfingers lade ich die Leser dieser Zeitschrift dazu ein, die lonelyfingers zu begleiten und zu verfolgen, wo die Zauberei beginnt.

[1] Objet trouvé ist ein Begriff, der seit dem 20. Jahrhundert für die Beschreibung von extistierenden Gegenständen (sowohl natürlichen als auch produzierten Objekten) in bzw. als Kunstwerke(n). Mit Ausnahme des ready-made, worin das gefundene Objekt an sich als ein Kunstwerk präsentiert wird, ist das objet trouvé zumeist ein rohes  Material, das eine weitere Bearbeitung erhält. Während in früheren Zeiten zumeist in Kuriositätenkabinetten solche gefundenen Objekte gesammelt und ausgestellt wurden, ähnlich wie auch naturwissenschaftliche Objekte (Schmetterlinge o.a.), lässt sich in den frühen 1900er Jahren beobachten, dass das objet trouvé seinen Platz in der Kunstwelt fand. Quelle: Grove Art Online © 2009 Oxford University Press, gefunden in: http://www.moma.org/collection/theme.php?theme_id=10135 (26.02.2013)

[2] Semiotik oder Semiologie ist die Lehre der Zeichen, Symbole und Bezeichnungen. Es ist die Lehre, in der es um die Erzeugung von Bedeutung, nicht allein um die Bedeutung selbst geht. Wichtige Begriffe sind das ‘Bezeichnende’: jegliches Material/Ding, das bezeichnet, sei es die Folge von Worten auf einer Seite, ein Gesichtsausdruck, ein Bild, sowie das ‘Bezeichnete’: Das Konzept, auf das sich der Bezeichnence bezieht. Quelle: http://www.uvm.edu/~tstreete/semiotics_and_ads/terminology.html (26.02.2o13)

Text published in TheFindsPaper No.1
Published by Museum Abteiberg in occasion of:
lonelyfingers. Konversationsstücke
Museum Abteiberg 17. March – 2. June 2013