Ils sont fous ces Romains! Manuel Graf at Der Kunstverein

Der in Düsseldorf lebende Künstler Manuel Graf (*1978) verbindet in seinen raumgreifenden Installationen die Bereiche Architektur, Film, Musik und Kunstgeschichte zu einem dichten Gewebe an Verweisen und Bezügen. Oftmals ähneln seine Aufbauten animierten Stillleben, in den Menschen meistens abwesend sind und trotzdem zentrale Fragen der Menschheit verhandelt werden. In “Woher kommt die Kunst? Oder: Über die Blüte des Menschen” (2007) beschäftigt er sich mit der Idee der Zeit und der Frage, wie neue Ideen in die Welt kommen. Eine merkwürdig nostalgisch anmutende Fragestellung im Zeitalter des permanenten Ideentransfers, durch die das Ursprüngliche oder Originäre immer mehr in den Hintergrund tritt.

Dabei geben seine Arbeiten oftmals nur eine Idee einer Antwort und stellen unterschiedliche Theorien oder utopische Denkansätze vor. Ausgangspunkt für diese Betrachtungen bilden Architektur-Modelle, die ihm als Allegorie oder Visualisierung dienen. Die von ihm eigenhändig aus Ton modellierten Objekte seiner Installationen entstammen einer folkloristischen Tradition, die in großem Widerspruch zu den technisch aufwendigen Animationen stehen, die sie bildlich oder musikalisch einrahmen. Eine Antwort bleibt er in den meisten Fällen schuldig, dafür aber eröffnet sich den BetrachterInnen ein breites Feld an Interpretations- und Betrachtungsmöglichkeiten.

Sein aktuelles Projekt setzt sich mit den drei Grundtypen unterschiedlicher Ausrichtung in der Architektur auseinander. Der eine Typus ist die gerichtete Architektur mit einer Längsausrichtung des Baus, der zweite ist die Zentralarchitektur, die dritte eine dezentrierte Architektur, deren Mittelpunkt sich in einer Zerstreuung auflöst. Die beiden ersten Typen sind seit der Antike relativ verbreitet, besonders in religiösen Bauwerken, der dritte Typus hingegen findet vor allem ein prägnantes Beispiel: die Vier-Iwan-Moschee. Diese Bauform der Moschee besteht aus einem weitgehend entleerten Innenhof, dessen Mittelpunkt oftmals nicht einmal betretbar ist, und der an vier Seiten von einem sogenannten Iwan umgeben ist. Der Iwan trägt ein großes Portal, hinter dem die kleinen, überkuppelten, eigentlichen Räume, fast verschwinden. Wohin also richtet man sich hier? Während bei den beiden anderen Typen der Fokus der “Bewohner” weitgehend vorgegeben und geregelt ist, gelten bei der dezentrierten Architektur andere Maßstäbe.

Ausgehend von diesem speziellen Bautypus der Vier-Iwan-Moschee (am Beispiel der Moschee von Isfahan) arbeitet Manuel Graf derzeit daran, seine über mehrere Jahre vorangegangene Auseinandersetzung mit diesen Bauformen in ein Filmprojekt umzusetzen. Wolfgang Meisenheimer ist Architekt und hat an der Fachhochschule Düsseldorf gelehrt. Er vertritt ein Konzept der Leibesarchitektur, das er nicht nur in seinen Bauten, sondern auch in zahlreichen Schriften entwickelt hat. Ulya Vogt-Göknil ist eine Expertin auf dem Gebiet der islamischen Architektur und hat hierzu einschlägige Werke verfasst. Diese beiden Personen möchte Graf in jeweils einem Film interviewen, während sich der dritte Film der Architektur einer Vier-Iwan-Moschee widmet und Originalaufnahmen mit Animationen kombiniert. Alle drei Filme setzen sich also mit der Erlebbarkeit von Architektur auseinander und hinterfragen die Rolle des Menschen und seines Körpers in ihr.

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source: Der Kunstverein