Fingers – Part of the body, a gesture, a clip, a film and back again by Yilmaz Dziewior for TheFindsPaper#1

One may assume a finger can never be lonely. Usually it belongs to a bunch of five quite close to each other. Each of these short little limbs has at least four companions, not to mention the five others on the hand. So compare this to the loneliness of the head or the heart! But still, imagine how dependent each of them is. If, for example the index finger wants to point at something that can arouse quite a bit of negotiation with the other four fingers, which may be too lazy at the time or have other things in mind.

They are all very different characters. The thumb is usually cheerful. The index finger, which is also named the forefinger, likes to think of itself as the leader and the middle finger is the anarchist. The ring finger is the most romantic and the little finger, also called the pinky, has to compensate all the vain mistakes of the others. Together, they can be very strong. Not only when they form a fist, but also when they do some clicking and snapping. For this they build tension for example between the thumb and either the middle, index or ring finger (usually they exclude the pinky from this game of joy and power) and then moving the other finger forcefully downward, so it hits the palm of the same hand at a high speed. Alternatively, they can press the middle finger and thumb together and then fling the index finger into them.

The sound of the snap is created as a result of one of the fingers coming into contact with a groove, thus forcing the air out with an audible crack, which resonates in the curved shape of the palm. Primarily the groove is between a second finger and the palm. The friction of the fingers rubbing together can be heard briefly before the snap as a whisking sound. All fingers, even the pinky, can be used for snapping. Alternatively, the groove can be between the middle finger and the thumb.

To see how strong and liberating snapping can be, I recommend watching a clip from the legendary semi-documentary film “Tongues Untied” (1989), directed by Marlon Riggs. The film is a highly personalised and moving documentary about the life experiences of gay African-American men and employs autobiographical footage as well as performance, including monologues, songs, poems, and nonverbal gestures such as snapping, to convey an authentic and positive black gay identity.

In order to demonstrate the harmful effects of silence on self-esteem, the film contrasts this image with negative representations of gay black men as tragicomic stock caricatures in contemporary American popular culture. You find the clip by typing in on YouTube: “how to snap like a diva”. There you learn better not to mess with a snap diva and get some basic lessons about the grand diva snap. There is the Medusa snap, the sling snap, the point snap, the mini and the maxi snap, the classic snap. My personal favourites are not the domestic or the master snap. No, it is the grand diva snap. Yet the most important advice in this clip concerning snapping is: don’t get it twisted!

 

German version

Die Finger – Körperteil, Geste, ein Clip, ein Film und nochmals von vorne

Man könnte annehmen, dass ein Finger niemals allein sein kann. Normalerweise ist es ja ein Gruppe von fünf, die sich alle ziemlich nahestehen. Jeder dieser kurzen, kleinen Glieder hat somit mindestens vier Kollegen, nicht zu vergessen die fünf anderen an der benachbarten Hand. Man vergleiche das einmal mit der Einsamkeit des Kopfes oder Herzens!

Aber man stelle sich auch vor, wie abhängig jeder von ihnen ist. Wenn z.B. der Zeigefinger auf etwas deuten möchte, kann das natürlich zu einigen Schwierigkeiten mit den anderen Vieren führen, wenn die gerade zu faul sind oder einfach andere Dinge im Sinn haben. Es sind ganz unterschiedliche Charaktere: Der Daumen ist meist fröhlich. Der Zeigefinger ist nicht umsonst der Finger an der Spitze, er spricht von sich selbst gern als dem Anführer, und der Mittelfinger ist der Anarchist. Der Ringfinger ist der romantischste und der kleine Finger, der auch mal vorwitzig sein kann, muss all die eitlen Fehler der anderen kompensieren. Zusammen können sie sehr stark sein. Nicht nur wenn sie sich zur Faust ballen, sondern auch wenn sie schnippen oder schnappen. Dafür bauen sie eine Spannung auf zwischen dem Daumen und entweder dem Mittel-, Zeige- oder Ringfinger (den Kleinen schließen sie aus diesem Spaß und Kraftspiel meistens aus).

Dann bewegt sich der andere Finger mit Nachdruck nach unten, sodass er die Handfläche derselben Hand mit hoher Geschwindigkeit trifft. Eine andere Möglichkeit ist es, dass sich Mittelfinger und Daumen zusammenpressen und dann den Zeigefinger gegen sich schleudern lassen. Das Geräusch des Schnipsens (engl. snap) ist das Ergebnis eines der Finger, der einen ‚Groove‘ spürt und deshalb die Luft mit einem hörbaren Knall nach außen zwingt, der noch in der gewölbten Form der Handfläche nachhallt. Dieser ‚Groove‘ findet zunächst zwischen dem zweiten Finger und der Handflächestatt. Das Geräusch, das die Reibung der Finger erzeugt, hört man ganz kurz vor dem eigentlichen Schnipser als ein leises Zischen. Alle Finger können schnipsen, sogar der kleine. Alternativ kann der ‚Groove‘ auch zwischen Mittelfinger und Daumen liegen.

Um zu sehen, wie stark und befreiend das Fingerschnipsen sein kann, empfehle ich die Szene aus dem legendären halb-dokumentarischen Film ‚Tongues Untied’ (1989) von Marlon Riggs. Der Film ist eine sehr persönliche und bewegende Dokumentation der Lebenserfah-rungen von homosexuellen Afroamerikanern und enthält sowohl autobiographisches Material als auch schauspielerische Szenen, dazu Monologe, Songs, Gedichte und nichtverbale Gesten wie das Schnipsen, die eine authentische und positive Identität von schwarzen Schwulen vermitteln.

Um die verletzende Wirkung des Schweigens auf das Selbstbewusstsein zu zeigen, kontrastiert dieser Film jenes Bild mit der negativen Repräsentation von schwarzen Homosexuellen und ihren tragikomischen Karikaturen in der amerikanischen Popkultur. Man findet den Clip, wenn man auf Youtube „how to snap like a diva“ eingibt. Da lernt man dann, dass man sich besser nicht mit einer „Schnips-Diva“ anlegen sollte und erhält gleichzeitig eine Anleitung für den großen „Diva Schnipser“. Es gibt den „Medusa Snap“, den „Sling Snap“, den „point Snap“, den „Mini“ und den „Maxi Snap“, den „Classic Snap“. Mein persönlicher Favorit ist nicht der „domestic“ oder der „master Snap“. Nein, es ist der „Grand Diva Snap“.Obgleich der wichtigste Rat in diesem Clip über das Schnipsen ist: Don`t get it twisted!

Text published in TheFindsPaper No.1
Published by Museum Abteiberg in occasion of:
lonelyfingers. Konversationsstücke
Museum Abteiberg 17. March – 2. June 2013