In a zip-lock bag by Glen Rubsamen for TheFindsPaper#1

If you compare the website with the store even from the same brand, say J.Crew for example, a fundamental and powerful difference is immediately apparent. On the most basic level the website contains a variety of individuals: individual models wearing individual styles. The bulk of inventory is hidden within a flattering menu of possibilities all designed to personalise the experience. The store on the other hand has to have the stock in hand, rows of shirts in SM, M and XL, racks of pants, piles of socks, all displayed on what has come to be known as ‘retail furniture’, the mass produced and mass consumed nature of commerce openly visible. Translating the poetic efficiency of the lonelyfingers website into a physical exhibition at the Museum Abteiberg seems to me to incorporate exactly this contradiction, the website becomes the store. In this case the store contains only unique objects but the construct is the same: the physical presence of the objects and their display architecture. In some ways this journey from website to store reveals the fundamental paradigm of exhibition-making theory in the Internet age. Translating a virtual structure into a physical space must inevitably be a reactionary process, one of subtraction and reduction, focused mainly on the most banal attributes of the physical object: its fragility, its view-ability and its size.

For me, the most profound and futuristic aspect of the lonelyfingers concept is, that practically the whole cycle of its artistic process, the artists and their finds, takes place in virtual space. The artists search the Internet, browsing thousands of pages until they find an object, usually represented by a poor jpeg image and a short description, they pay for it using PayPal or similar means and then it arrives weeks later like magic, a physical thing after-all. The essence of the creative act in virtual space is the search itself, each decision in a long chain that leads inevitably to the find. The find becomes the embodiment of a search-history.

Over the last years my web search history is full of seed sites, Internet sites that sell seeds to farmers, gardeners and seed collectors. The seed is the most ubiquitous object on the planet, every plant, every bush and tree makes an abundance of them. If you look at the ground around your feet at this very moment chances are there will a seed or two. Ebay has hundreds of thousands of seed sellers who presumably pick up some seeds from the ground in their garden, pop them in a zip-lock bag and put them up for sale on the Internet. Seeds are the essence of potential; a tiny seed has the ability to grow into a massive tree or an abundance of flowers. What could be more beautiful, I thought, then finding the seeds of exotic palms on Ebay and sending them to lonelyfingers? These tiny packages of life with the potential to grow into extraordinary things given enough luck, love and care. But life is never so simple. Most likely, I thought, the seeds will never germinate, either because there is some special ingredient in the germination cycle that can not be replicated (for example the African windmill palm seed will not germinate unless it has passed through the digestive system of an elephant) or they are not fertile to begin with. The seeds I have chosen from the Internet for lonelyfingers become an exercise in wishful thinking.

The work that I have made for the exhibition at Museum Abteiberg is an attempt to address directly the dichotomy between website and physical store. It is a work specifically about ‘inventory’. On the websites dedicated to survivalism there is always a dialogue about stockpiling: food, water, tools and weapons are the primary stockpiled items, but inevitably there is also discussion about building a seed vault. Seed vaults are air-tight, light-tight containers (sometimes refrigerated) with enough seeds for a one-hectare farm for one year. The seeds in these vaults are ‘open pollinated and non-GMO’, meaning that the plants that grow from them will themselves make seeds, creating a cycle. A myriad of sites offer these vaults in various sizes and guaranteeing their viability. Presumably, after the apocalypse, the Internet will be a distant memory, no electricity to run it, and life will be almost completely organised around stockpiling. Inventory will be the only thing that matters and the storage and arrangement of that inventory. The museum will also be defunct, the only place of value will be a cool, dry, and dark space in which to store those ugly potatoes still covered in black sandy earth.

 

German version

In a zip-lock bag

Wenn Sie eine Website mit einem Laden vergleichen, selbst einem derselben Marke, sagen wir z.B. J.Crew, wird sofort ein grundlegender und gravierender Unterschied klar. In einer Website findet man ganz einfach gesprochen eine Vielfalt von Individuen; individuelle Models tragen individuelle Styles. Der Großteil des Angebots versteckt sich hinter einem verführerischen Menu voller Möglichkeiten, die alle nur dazu da sind, die Erfahrung des Suchens möglichst persönlich zu gestalten. Das Geschäft hingegen muss sein ganzes Sortiment da haben, raue Mengen an T-Shirts in S, M und XL, Regale voller Hosen, stapelweise Socken; alle ausgestellt auf eigens zu diesem Zwecke entworfenem ‚Verkaufsmobiliar’, mit dem die massenproduzierte und massenkonsumierte Natur des Kommerzes für alle sichtbar wird. Die poetische Leistung der Website der lonelyfingers in einen institutionellen Raum wie den des Museum Abteiberg zu übersetzen, scheint für mich genau in diesem Gegensatz zu münden: Die Website wird zum Laden. Der Laden enthält in diesem Fall zwar nur einzigartige Objekte, aber die Konstruktion ist dieselbe; aus der physischen Präsenz der Objekte und einem räumlichen Display. In gewisser Weise gelingt es in dieser Bewegung von der Website zum Laden, das grundlegende Paradigma der Theorie des Ausstellungsmachens im Internet-Zeitalter aufzudecken. Eine virtuelle Struktur in einen institutionellen Raum zu übersetzen, muss zwangsläufig ein reaktionärer Prozess sein, ein Prozess des Wegnehmens und der Verminderung, vornehmlich fokussiert auf die simpelsten Eigenschaften des physischen Objekts: seine Zerbrechlichkeit, seine Sichtbar-keit, oder seine Größe.

Der profundeste und futuristischste Aspekt des Konzepts der lonelyfingers besteht für mich in der Tatsache, dass praktisch der gesamte Zyklus ihres künstlerischen Prozesses, das Geschehen der Künstler und ihrer Funde, im virtuellen Raum stattfindet. Das Suchen der Künstler  im Internet, das Aufrufen Tausender von Seiten, bis man endlich ein Objekt findet, meist als jpeg in schlechter Qualität und mit nur leidlicher Beschreibung; das Bezahlen mit PayPal oder vergleichbarer Anbieter und dann, fast auf magische Weise, wird das Objekt Wochen später bei seiner Anlieferung doch noch zum realen Gegenstand. Die Essenz der kreativen Geste im virtuellen Raum ist die Suche selbst, jede Entscheidung in einer langen Kette, die unvermeidlich zum Fund führt. Der Fund verkörpert so eine Chronik des Suchens.

In den letzten Jahren war meine Suchchronik voller Websites zum Thema Saat, Internetseiten, die Samen an Bauern, Gärtner und Saatgutsammler verkaufen. Samen ist das allgegenwärtigste Objekt auf dem Planeten: jede Pflanze, jeder Busch und jeder Baum produzieren Unmengen davon. Wenn Sie genau jetzt vor sich auf den Boden schauen, stehen die Chancen gut, dass da ein oder zwei Samen liegen. Ebay verzeichnet Abertausende von Saatguthändlern, die vermutlich einfach ein paar Samen vom Boden ihres Gartens aufsammeln, sie in einen wiederverschließbaren Gefrierbeutel packen und dann im Internet anbieten. Saatkörner sind  die Essenz von Potenzial: aus einem winzig kleinen Samen kann ein massiver Baum werden oder eine Fülle von Blumen. Deswegen fragte ich mich ,ob es wohl, etwas Schöneres geben könnte als solche Saatkörner von exotischen Palmen auf Ebay zu finden und sie dann an lonelyfingers zu senden? Diese klitzekleinen Lebenspakete mit dem Potenzial, zu etwas ganz Außergewöhnlichem zu werden, vorausgesetzt man bedenkt sie mit genug Glück, Liebe und Sorgfalt. Aber das Leben ist nie so einfach. Viel wahrscheinlicher, so dachte ich, wäre es, dass die Samen niemals keimen, entweder, weil es einen Bestandteil im Keimungsprozess gibt, der nicht repliziert werden kann (z.B. können die Samen der afrikanischen Hanfpalme nur keimen, wenn sie vorher durch das Verdauungssystem eines Elefanten gewandert sind) oder sie sind überhaupt nicht fruchtbar. Die Samen, die ich im Internet für lonelyfingers aussuche, sind so auch eine  Übung im Wunschdenken.

Die Arbeit, die ich für die Ausstellung im Museum Abteiberg entwickelt habe, ist ein Versuch die Dichotomie von Website und Geschäft direkt anzusprechen. Es ist eine Arbeit, die sich speziell mit dem “Inventar” beschäftigt. Auf Websites die sich mit Überlebensstrategien beschäftigen, gibt es immer einen Austausch, der sich um das Thema der Lagerwirtschaften dreht: vorrangig geht es um Nahrung, Wasser, Werkzeuge und Waffen, doch unvermeidlich auch um die Anlage von Saatgut-Tresoren. Saatgut-Tresore sind luftdicht, lichtundurchlässig (manchmal gekühlt) und enthalten genug Samen um eine 1-Hektar große Farm für ein Jahr zu versorgen. Das Saatgut in diesem Tresoren ist ‘offen bestäubt und nicht genetisch modifiziert‘, was bedeutet, dass die aus diesen Samen entstehenden Pflanzen fähig sind, wiederum Samen zu produzieren und so einen Kreislauf zu bilden. Unzählige Webseiten werben für diese Tresore, in verschiedenen Größen, mit Garantie. Nach der Apokalypse wird das Internet vermutlich nur eine verschwommene Erinnerung sein; weil es keine Elektrizität geben wird, um es zu betreiben, und das Leben wird fast ausschließlich von solchen Lagern abhängen.. Das Museum wird es auch nicht mehr geben und der einzige wertvolle Ort wird ein kühler, trockener und dunkler Raum sein, wo man diese hässlichen Kartoffeln eingelagert hat, immer noch bedeckt von schwarzer, sandiger Erde.

Text published in TheFindsPaper No.1
Published by Museum Abteiberg in occasion of:
lonelyfingers. Konversationsstücke
Museum Abteiberg 17. March – 2. June 2013